Partnerschaftswochenende
2010
Lengyeltóti
Ungarn
Gemeinde Dielheim
St. Nicolas-de-Port
Frankreich




Bericht vom Partnerschaftswochenende

25 und 15 Jahre gemeinsam mit St. Nicolas-de-Port und Lengyeltóti auf dem Weg
Ganz im Zeichen des europäischen Gedankens standen die Veranstaltungen aus Anlass des Doppeljubiläums 25 Jahre Gemeindepartnerschaft Dielheim - Saint-Nicolas-de-Port (Frankreich) und 15 Jahre Dielheim - Lengyeltôti (Ungarn). Das Wochenende begann mit dem Empfang für Gérard Hanssler, einen Bürger von Dielheims französischer Partnerstadt. In einem „Europa-Marsch“ war er die ganze Strecke von Saint-Nicolas-de-Port bis Dielheim zu Fuß gegangen (s. eigener Artikel). Zum Festakt am Abend in der Kulturhalle trafen sich dann die französischen und ungarischen Gäste, die in großer Zahl angereist waren, mit ihren deutschen Gastgebern. Landrat Stefan Dallinger nutzte den Anlass, um Dielheim seinen ersten offiziellen Besuch im neuen Amt abzustatten. Dielheims Bürgermeister Hans-Dieter Weis zitierte in seiner Festansprache einen der Gründerväter der Europäischen Union: „Europa wurde nicht geschaffen, um Staaten miteinander zu verbinden, sondern um Menschen zu einen“. Die Ziele der zahlreichen Städtepartnerschaften seien über die Jahrzehnte gleich geblieben, sagte der Bürgermeister, die Möglichkeiten hätten sich jedoch dank der EU auf viele Bereiche erweitert. Es erscheine ihm dabei besonders wichtig, für die weitere Zusammenarbeit auch die Kontakte junger Menschen in Kultur, Sport,Schule und Ausbildung verstärkt zu fördern. „Wenn Europa heute zusammen wächst, wenn wir es schaffen, Freundschaften zu pflegen, Konflikte beizulegen und neugierig zu bleiben, bereiten wir den Weg zu mehr Vertrauen und Verständnis. Ich hoffe, dass uns dieses große Werk einer friedlichen europäischen Gemeinschaft gelingt.“ Bürgermeister Weis begrüßte unter den Gästen mit besonderer Freude die ehemaligen Bürgermeister der französischen Partnerstadt, Mireille Pichereau und Gilles Aubert. Letzterer hatte vor 25 Jahren mit dem damaligen Bürgermeister Bruno Gärtner die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Er dankte allen Familien, die sich über die Jahre als Gastgeber bei den Partnerschaftstreffen engagiert haben. Jedem Mitglied des „Arbeitskreises Städtepartnerschaften“ überreichte er eine Dankurkunde: Pfarrer Heribert Leider, Hans Payer und Hans Weber, Melitta Grün, Stefanie Haar, Christa Bellemann und Hans Mayer, Marie-Rose Keller und Doris Keller, Ilse und Heinz Schrag, Myriam Dorner, Andreas und Gertraude Zielbauer, Robert Blum sowie Sibilla Friedrich und Manfred Heinisch.
Lajos Papzst, der Bürgermeister von Dielheims ungarischer Partnergemeinde Lengyeltôti, ließ in seiner Ansprache noch einmal die Ereignisse Revue passieren, die zum Zustandekommen der Partnerschaft mit Dielheim beigetragen haben: Den Besuch einer deutschen Delegation im Komitat Somogy, zu der auch Bruno Gärtner gehörte, die Einladung nach Lengyeltóti, die unmittelbar darauf folgte, und den Beschluss beider Gemeindegremien, die Partnerschaft zu besiegeln. Er dankte in erster Linie Pfarrer Heribert Leider, der immer wieder großzügiger Gastgeber für die ungarischen Besucher gewesen sei. Als Gastgeschenk brachte Lajos Papzst ein Wappen seiner Heimatgemeinde aus Metall mit, das sicher in einer öffentlichen Anlage in Dielheim einen würdigen Platz finden wird. Luc Binsinger, Bürgermeister von Saint-Nicolas-de-Port in Lothringen, sagte in seinem Grußwort: „Wir haben ein ‚gemeinsames Haus’ der Freundschaft gebaut. Heute blasen wir 25 Geburtstagskerzen aus. Sie symbolisieren das Erwachsensein und die Aussicht auf ein langes Leben. Lassen Sie uns das gemeinsame Haus weiter am Leben halten und miteinander ständig vergrößern!“ Für die Jüngeren ergebe sich daraus die Verpflichtung, über die heutigen Grenzen hinweg ein echtes „europäisches Bürgertum“ zu schaffen, so Luc Binsinger. Er überreichte Bürgermeister Weis stellvertretend für alle Bürger Dielheims die offizielle Medaille seiner Stadt.
Der Festabend, durch den Myriam Dorner und Andreas Zielbauer gemeinsam führten, wurde gestaltet vom Inselkindergarten mit einem afrikanischen Tanz, mit Aerobic vom Turnverein Viktoria, einer Rope-Skipping-Darbietung des TV Horrenberg-Balzfeld, Percussion und Tanz von der Leimbachtalschule und einem lustigen Sketch von Michael Stier und Heinz Laier zum Thema „internationale Verständigung.“ Die Tanzgruppe Ördöngös aus Ungarn begeisterte in mehreren Beiträgen die Zuschauer mit hervorragend dargebotener Folklore. Als Beitrag aus Saint-Nicolas-de-Port spielten Gérard Hanssler und Thérése Igersheim eine amüsante Szene aus dem Theaterstück „Der Triumph der Medizin“, in der ein schlauer Doktor die Bauersfrau mit viel List erst davon überzeugen muss, dass sie wirklich krank ist. Der Abschluss bildeten flotte Weisen, gespielt von den Musikfreunden Dielheim.

Langer Fußmarsch zum Treffen der Partnerstädte
Diplomatie und Verhandlungsgeschick waren sicher in reichem Maße gefragt, als es darum ging, die Jahrhunderte alte „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschen und Franzosen endgültig zu beseitigen und beiden Nationen einen Platz in einem vereinten Europa zu sichern. Aber ohne die Bereitschaft, dieses Ziel auch hartnäckig zu verfolgen und dafür Strapazen auf sich zu nehmen, wäre das noble Vorhaben sicher in seinen Anfängen stecken geblieben. Vielleicht wollte Gérard Hanssler, Oberst a.D. der französichen Armee und Bürger von Dielheims Partnerstadt Saint-Nicolas-de-Port, darauf anspielen, als er zu seinem „Europa-Marsch“ aufbrach: 235 Kilometer zu Fuß, zielstrebig und ausdauernd, zuerst durch seine lothringische Heimat, dann durchs Elsaß Richtung deutsche Grenze, in Leopoldshafen bei Karlsruhe mit der Fähre über den Rhein, weiter über Graben-Neudorf, Waghäusel, Rot, Wiesloch und schließlich nach Dielheim. Der Anlass: Das 25-jährige Jubiläum der Gemeindepartnerschaft zwischen Saint-Nicolas-de-Port und Dielheim. Von Anfang an war Gérard Hanssler hier einer der Engagiertesten auf französischer Seite und pflegt mit Ehefrau Christiane seitdem freundschaftliche Kontakte zu den Dielheimern Ilse und Heinz Schrag. Immer wieder leistete er wertvolle Dienste als Dolmetscher bei den offiziellen Partnerschaftstreffen.
Zum Zieleinlauf in Dielheim am frühen Abend des vergangenen Freitags, rechtzeitig zur Jubiläumsfeier, hatte eine große Schar Dielheimer Schulkinder Fähnchen schwenkend den „Europa-Marschierer“ vor der Kulturhalle empfangen, wo er, assistiert von Bürgermeister Hans-Dieter Weis, das Zielband durchschnitt. Dies war aber nicht der einzige Empfang gewesen: Am Tag zuvor waren ihm Bernhard Boczek und Helmut Eichstädter mit ihrem „rollenden Ferienhaus“ zur deutschen Grenze nach Leopoldshafen entgegen gefahren. Darin verbrachte Gérard Hanssler die Nacht, bevor er zu seiner letzten Etappe Richtung Dielheim aufbrach.